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Serious Game Spotlight - The Counting Kingdom


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Jasmin Widmer

Dies ist der zweite Eintrag der Serie Serious Games Spotlight, wo wir Spiele anderer Entwickler vorstellen. Dies soll die Vielfalt von Serious Games und ihren Anwendungen aufzeigen. Der letzte Eintrag war zu Sea Hero Quest und befindet sich hier.

Überblick

The Counting Kingdom ist ein geniales Mathematik Lernspiel für Kinder von 6-8 Jahren von Indie Spieleentwickler Little Worlds Interactive, Boston (USA). Man spielt einen Zauberlehrling, dessen Schloss eines Tages aus dem Nichts angegriffen wird. Ziel des Spiel ist es, sein Land vor jeder neuen Welle der farbenfrohen Monstern zu verteidigen.

Spiel

Das Spiel hat verschiedene Levels mit steigender Schwierigkeit. Jedes Level besteht aus einem Zauberinventar und einem Spielbrett von 4 auf 5 Feldern. Auf der linken Seite des Spielbretts befindet sich eine Reihe von Schlossmauern. Nach jedem Zug erscheinen von rechts neue Monster und laufen nach links auf das Schloss zu. Im Zauberinventar befinden sich Zaubersprüche und Zaubertränke, welche man einsetzt, um die Monster zu besiegen.

Linkes Bild: Die Weltkarte von Counting Kingdom. Rechte Karte: Monster addieren durch verbinden der Monster.
Links: Weltkarte. Rechts: Monster addieren. Credits: Little Worlds Interactive

Die Mechanik ist simpel und knackig. Jedes Monster auf dem Spielbrett entspricht einer Zahl. Mit Klicks auf die Monster verbindet man diese und addiert sie so zusammen. Man zieht einen Zauberspruch auf ein oder mehrere verbundenen Monster. Stimmt die Zahl des Zauberspruchs mit der Summe der Monster überein, werden die Monster besiegt und verschwinden vom Spielbrett. Danach kommen neue Monster auf das Feld, und noch anwesende Monster laufen ein Feld weiter. Ziel ist es, die Monster davon abzuhalten an die Schlossmauer zu gelangen und alle Monster zu besiegen. Das Level ist zu Ende, sobald ein Monster durch eines der eingerissen Mauerstücke ins Schloss eindringt.

In späteren Levels kommen Zaubertränke dazu, welche für zusätzliche strategische Funktionen eingesetzt werden wie 1 addieren oder subtrahieren sowie ein Monster bewegen, damit es verbunden werden kann. In manchen späteren Levels tauchen auf dem Spielbrett neue Spezialfelder auf, worauf die Zahl eines Monsters mit 2 multipliziert wird. Desweiteren kann man die Schwierigkeitsstufe im Menü verändern. Auf der leichtesten Stufe ist in jedem Level die maximale Zauberspruchzahl eine 10 und die Monster gehen bis auf 6. Auf der schwierigsten Stufe gehen die Zauber bis 25 und die Monster bis 15.

ELinkes Bild: Zaubersprüche auslösen. Rechtes Bild: Ein fortgeschrittenes Level mit Eisblöcken.
Links: Zaubersprüche auslösen. Rechts: Ein fortgeschrittenes Level. Credits: Little Worlds Interactive

Fegt man das Brett mit einem Schlag leer, gibt es Pluspunkte. Jedes noch stehende Mauerstück am Ende ebenfalls. Die Kinder werden auf diese Weise motiviert, so viele Monster wie möglich loszuwerden.

Die Grafik ist farbenfroh, süss und trotzdem sehr klar und prägnant. Das Spiel wird nicht gestört durch Werbung, In-App Einkäufe, Social Media oder sonstige Links nach aussen,was ideal ist für den Einsatz bei dieser Zielgruppe. Ausserdem verspricht Little Worlds Interactive, dass sie keine persönliche Daten sammeln.

Geräteanforderungen

Das Spiel läuft auf PC und Mac über die Plattformen Steam, Amazon Apps oder Filament Games. Das Spiel hat auch eine mobile Version und läuft auf den meisten Android und iOS Geräten. Auf Steam ist das Spiel gratis erhältlich, die mobile Version kostet ca. 3.- und auf Filament Games fallen weitere Kosten wegen den Zusatzfunktionen an.

Ich habe das Spiel auf meinem Android Smartphone getestet. Das Installieren und Starten läuft reibungslos und man ist nach einem kurzen Video Intro sofort im Spiel. Da das Spiel für Standard Bildschirme entwickelt wurde, ist ein Seitenverhältnis von 16:9 oder 16:10 empfohlen. Bei schmaleren oder quadratischen Bildschirmen befinden sich leider Teile des Spiels ausserhalb des Bildschirms. Man kann das Spiel in verschiedenen Sprachen spielen, unter anderem auf Deutsch, Französisch und Englisch.

Wer Filament Games benutzt um Spiele im Unterricht einzusetzen, hat zusätzliche Einsicht auf das Spielverhalten der Schüler*innen. Ich kenne mich bei dieser Plattform nicht aus, finde das Prinzip aber sehr spannend, dass die Lehrpersonen auf dem Teacher Dashboard die Lernprogression der Schüler*innen beobachten können.

Nutzen des Spiels

Meiner Meinung nach ist das herausragendste an Counting Kingdom, dass die Hauptmechanik des Spiels die aktive Anwendung von Mathematik ist. Nur wenn die Kinder korrekt addieren, lösen sie die Levels. Im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Lernspielen, bei welchen die Spielmechanik nicht auf den Lerninhalt passt, und einfach darüber gegossen wird wie Schokolade auf Brokkoli.

In einem guten Spiel entsteht Herausforderung durch Hürden, welche man überwinden muss. The Counting Kingdom bietet eine wunderbare Umsetzung, wie mit dem Scheitern der Hürden umgegangen wird: Stimmt die Summe des Zauberspruchs nicht überein mit der Summe der Monster, meldet das Spiel bloss, dass etwas falsch gerechnet wurde. Nach weiterem falsch Rechnen zeigt es die ganze Rechnung und die Summe der Monster an, damit die Kinder selber verstehen können, was sie falsch gemacht haben. Auf spielmechanischer Ebene passiert aber sonst nichts Frustrierendes. Die Monster bewegen sich erst weiter, wenn die Kinder Zaubersprüche ablegen, um neue zu bekommen oder wenn Sprüche gewirkt wurden. Die Kinder haben auf diese Weise so viel Zeit zu rechnen, wie sie brauchen. Sie werden nicht bestraft für falsch Rechnen, nur für schlechte Planung. Wie man ans Ziel kommt, ist recht offen, es gibt nicht eine einzige richtige Lösung. Ob man das Level lieber in viele kleine Rechnungen unterteilt oder so viel wie möglich zusammenrechnet: Beides führt zum Ziel.

Als echter Kopfrechnen-Muffel hat mir das Spiel unglaublich Spass gemacht und kann es jedem empfehlen, der etwas Übung braucht in der Anwendung von einfachem Kopfrechnen. Es ersetzt die Lektionen im Unterricht nicht, da es das Rechnen selbst nicht erklärt. Als Ergänzung von Übungseinheiten kann ich mir den Einsatz jedoch sehr gut vorstellen.